Welche Ernährungsaspekte sind bei einer Depression oder der Bipolaren Störung wichtig? Wirklich antidepressiv essen kann man sich wohl leider nicht, wie auch die Deutsche Depressionshilfe schreibt. Es gibt keine eindeutigen Erkenntnisse zu ‚guten‘ oder ‚schlechten‘ Nahrungsmitteln, obwohl manche Lebensmittel eventuell häufiger zu stabileren, nicht depressiven Stimmungslagen beitragen als andere.

Was sind ‚gute‘ oder ‚schlechte‘ Nahrungsmittel?

Da gibt es einerseits die Omega-3-Fettsäuren aus fettem Lachs und ähnlichen Fischen, die antidepressiv oder stimmungsstabilisierend unterstützen können. Auch die in roten Trauben enthaltene Substanz Resveratrol könnte zukünftig Teil einer antidepressiven Behandlung werden. Vorerst ist sie aber nur Forschungsgegenstand, wie viele weitere Substanzen, von Acetyl-L-Carnitin aus Ziegenkäse, über Curcumin aus dem Curry bis hin zu Magnesium in Nüssen und Milch. Es spricht also kaum etwas gegen ein Lachs-Curry, gefolgt von einem Obstsalat mit dunklen Früchten und Ziegenkäse mit Nüssen als Bestandteil einer gesunden und ausgewogenen Ernährung. Nicht gezielter Fokus auf bestimmte Nährstoffe, sondern ausgewogene Ernährung ist allerdings der eigentliche Schlüsselbegriff bei den meisten Erkrankungen, nicht nur den affektiven Störungen.

Neuere Studien zeigen beispielsweise einen Zusammenhang zwischen entzündungsfördernder Nahrung und depressiven Symptomen. Auch kann eine höherwertige Ernährung das Risiko für das Auftreten oder auch den Schweregrad depressiver Symptome verringern. Eine gute grundlegende Orientierung für ausgewogene Ernährung bieten die 10 Regeln und der Ernährungskreis der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Als gesund gilt ein Ernährungsmuster mit viel Gemüse, Obst, Vollkorngetreide und Hülsenfrüchten. Nahrungsmittel wie Fleisch und Fleischprodukte, die überwiegend gesättigte Fettsäuren enthalten, sollten dagegen sparsam verzehrt werden. Bei einer rein vegetarischen Diät muss allerdings stärker auf ausreichende Aufnahme von Vitamin B12 und Eisen geachtet werden, wie eine aktuelle Studie zu Vegetariern und Depressionen betonte. Alkohol – wenn überhaupt – soll dagegen nur in sehr geringen Mengen getrunken werden. Ein Beispiel für eine ausgewogene Diät ist die Mittelmeerkost, die durch viel Obst und Gemüse, Nüsse, Pflanzenöle und eben auch Fisch gekennzeichnet ist.

Entzündungsfördernd versus entzündungshemmend kann einen Unterschied machen

Ob und wie sich die individuelle Ernährung auf die Stimmung auswirkt, ermittelt man am besten individuell mit einem Ernährungstagebuch, das entweder als App im Smartphone immer dabei sein kann oder traditionell mit Stift und Papier geführt werden kann.

Mit Hilfe eines Ernährungstagebuchs kann oft auch erkannt werden, wie ein paar überschüssige Pfunde zustande kommen könnten – und entsprechend kann auch das gesunde Wunschgewicht besser erreicht oder gehalten werden. Gewichtsverlust bei bestehendem Übergewicht kann nämlich neueren Studien zufolge depressive Symptome abmildern. Gleichzeitig ist aber ungewollte Gewichtszunahme auch eine häufige Nebenwirkung mancher Antidepressiva und Neuroleptika.

Wichtig scheint bei affektiven Störungen, vor allem der Bipolaren Störung, aber auch die Regelmäßigkeit und ein gutes Maß an gesunden Ritualen zu sein: keine Mahlzeit auslassen lautet die Devise, in Ruhe essen statt zu hetzen, auf gesunden Schlaf achten und regelmäßig Sport treiben. Dann sollte im Rahmen der sonst gesunden Ernährung auch die ungesunde Ausnahme kein größeres Problem bereiten.