Bewegung bei Depressionen

Die affektiven Störungen, zu denen unipolare Depressionen und die Bipolare Störung gehören, zählen zu den häufigsten psychischen Krankheitsbildern und betreffen jedes Jahr etwa 10 % der Bevölkerung (Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie,
Psychosomatik und Nervenheilkunde DGPPN). Die Deutsche Depressionshilfe gibt an, dass in ihrer Lebenszeit jede vierte Frau und jeder achte Mann von einer Depression betroffen sind. Wie kann man grundlegend so vielen Menschen, auch vorbeugend, helfen?

Sport und Bewegung tun gut, machen auch die Patientenleitlinien zur Behandlung unipolarer Depression deutlich. In einer umfassenden Übersichtsstudie fand die renommierte Cochrane Collaboration (2013), bekräftigt auch durch neuere Analysen (Schuch et al. 2016 im Journal of Psychiatric Research erschienen), dass Bewegung bei Depressionen wirksamer ist als keine Behandlung. Natürlich wirkt Sport nicht besser als eine medikamentöse Behandlung gegen Depressionen – aber ein gezieltes Bewegungsprogramm kann helfen, die Symptome zu lindern.

Die Leitlinien empfehlen daher, dass Menschen mit Depressionen sportlich aktiv sein sollten, solange keine medizinischen Gründe dagegensprechen. Welche Sportart und in welcher Intensität sie betrieben wird, das sind Fragen, die jeder für sich entscheiden und ausprobieren muss.  Manche Menschen fühlen sich in einer Mannschaft, also Teamsport, besser motiviert als bei Sportarten, die vorwiegend allein durchgeführt werden. Aber auch eher einsames Schwimmen kann ein wunderbar antidepressives Ritual sein. Motivierend kann statt einer Gruppe auch ein Schrittzähler oder eine Fitness-App sein.

Wie wirkt Sport? Besonders ‚aerober‘ Ausdauersport, der fordert, ohne den Sportler zum Keuchen zu bringen, scheint die Menge des Nervenwachstumsfaktors BDNF im Gehirn zu erhöhen. Und mit diesem Mehr an BDNF kommt auch ein aufhellender Effekt, wie neuere Studien zeigen konnten. Dabei konnte auch eine Verbesserung der Schlafqualität gezeigt werden. Da bei affektiven Störungen oft auch Schlafstörungen problematisch sind, scheint Sport also vielseitig die Stimmung zu verbessern. Gerade bei Depressionen oder der Bipolaren Störung ist damit Sport (mit etwas Pause vor dem Schlafengehen) eines der wichtigsten Mittel, den Schlaf auf natürliche Weise zu normalisieren.

Mehr Bewegung in den Alltag bringen

Bewegung ist auch ein Element der Vorbeugung: Menschen, die Sport treiben, leiden seltener unter Depressionen als Menschen ohne sportliche Aktivität. Die Deutsche Depressionshilfe beschreibt Sport als eine Möglichkeit, einem Rückfall vorzubeugen. Die Organisation bietet dazu und zur Unterstützung einer Depressionsbehandlung das Programm ‚Laufen gegen Depression‘ an, das mit verschiedenen Veranstaltungen, regionalen Angeboten und Lauftreffs körperliche Aktivität gegen Depression unterstützen will. Dieses Programm reiht sich auch in die Optionen zu Rehabilitationssport ein, die beispielsweise durch die Landesverbände des Deutschen Behindertensportverbandes regional auch speziell für psychische Erkrankungen angeboten werden.  Viele Krankenkassen fördern zudem sportliche Maßnahmen.

In den „Nationalen Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung“ werden Bewegungsempfehlungen für erwachsene Personen in Deutschland gemacht. In diesen Empfehlungen wird dazu geraten, regelmäßig sportlich aktiv zu sein. Dazu sollten mindestens 150 Minuten pro Woche mit Ausdauersport in moderater Intensität verbracht werden. Alternativ können auch 75 Minuten pro Woche mit Ausdauersport in höherer Intensität durchgeführt werden. Ebenso ist es möglich, das Training zu variieren und mehr und weniger intensives Training einzubauen. Zusätzlich zu dem Ausdauertraining sollte mindestens 2-mal pro Woche Krafttraining stattfinden. In den nationalen Empfehlungen wird weiterhin darauf aufmerksam gemacht, dass lange, ununterbrochene Sitzphasen zu vermeiden sind und Zeiten, in denen man viel sitzt, regelmäßig durch körperliche Aktivität unterbrochen werden sollten.

Ist Sport jederzeit geeignet? Es ist immer wichtig, die individuelle Verfassung zu berücksichtigen. Insbesondere Patienten in einer depressiven Phase haben weniger Energie und sind schneller erschöpft. Auch das jeweilige Alter und die Fitness spielen eine wichtige Rolle. Grundlegend gibt es aber für jeden eine Sportart, die passt, gut dosiert regelmäßig angewendet werden kann und mit der der Körper gefordert, aber nicht überfordert wird.